Levels of Awareness nach Eugene Schwartz: Warum dein Cold Traffic nicht kauft

von Ralf Wenda | Jan. 2, 2023 | Grundlagen, Strategien | 0 Kommentare

Ein kalter Besucher kauft nicht, egal wie gut deine Headline ist. Das liegt fast nie an deinem Angebot. Es liegt daran, dass diese Person noch gar nicht an dem Punkt ist, an dem sie kaufen kann.

Der Werbetexter Eugene Schwartz hat das schon 1966 in seinem Buch „Breakthrough Advertising“ beschrieben, einem der meistzitierten Werke im Direct-Response-Marketing. Seine These: Jeder Mensch, der auf deine Anzeige, deinen Post oder deine Salespage stößt, befindet sich in einer von fünf Bewusstseinsstufen. Kennst du diese Stufe nicht, redest du an ihm vorbei. Und genau das passiert den meisten Kursanbietern jeden Tag, wenn sie einer kalten Zielgruppe direkt ihr Angebot mit Preis und Bonus-Stack zeigen.

Ich hab diesen Beitrag 2023 zum ersten Mal geschrieben, damals noch mit einem theoretischen Beispiel aus dem Consulting-Geschäft. Das Modell selbst stimmt bis heute, an den fünf Stufen hat sich nichts geändert. Was mir damals gefehlt hat, waren echte Kampagnendaten. Der alte Post war ein Gedankenexperiment am Schreibtisch, keine Auswertung aus dem eigenen Werbekonto. Seitdem hab ich das Modell an eigenen Kampagnen durchgespielt, nicht mehr am Reißbrett, sondern an echten Zahlen aus meinem NoBrainer-Angebot und meinem Webinar. Hier ist die aktualisierte Version.

Die 5 Bewusstseinsstufen im Schnellüberblick

  • Not Aware: Die Person kennt ihr Problem noch nicht.
  • Problem Aware: Die Person spürt ihr Problem, kennt aber keine Lösung.
  • Solution Aware: Die Person kennt Lösungswege, aber noch keine konkreten Anbieter.
  • Product Aware: Die Person kennt dein Angebot, ist aber noch unentschlossen.
  • Most Aware: Die Person will nur noch von dir kaufen, sie braucht nur noch den Anstoß.

Jede Stufe braucht eine andere Botschaft. Was bei Stufe 2 zieht, langweilt jemanden in Stufe 4. Was bei Stufe 5 konvertiert, wirkt bei Stufe 1 aufdringlich und verjagt die Person komplett.

Levels of Awareness Infografik, 5 Bewusstseinsstufen

Stufe 1: Not Aware, die Person kennt ihr Problem noch nicht

Hier lohnt sich kein Werbebudget. Wenn jemand nicht weiß, dass er ein Problem hat, kannst du ihm kein Angebot dafür verkaufen. Bei Coaches und Kursanbietern ist diese Stufe fast immer irrelevant, weil das Feld schon zu bekannt ist. Halte dich hier nicht lange auf.

Was du hier nicht tun solltest: Werbebudget in Aufklärungscontent stecken, den ohnehin niemand braucht. Das Feld Onlinebusiness ist kein Neuland mehr, jeder kennt das Problem längst.

Stufe 2: Problem Aware, die Person spürt ihr Problem

Das ist die Stufe, auf der die meisten meiner Meta-Ads-Kampagnen laufen. Die Zielgruppe weiß, dass ihr Angebot sich nicht verkauft. Sie weiß nur nicht, warum.

Beispiel aus meinem eigenen Funnel: Meine Skepsis-Anzeigen zur „120K NoBrainer Positionierung“ sprechen genau diese Stufe an. Sie benennen das Problem direkt: „Dein Wissen ist genial. Dein digitales Angebot verkauft sich trotzdem nicht.“ Kein Bonus-Stack, kein Preis in der Headline, nur das Problem in klaren Worten. Erst wenn die Person sich darin wiedererkennt, folgt der nächste Schritt.

Auf dieser Stufe verkaufst du noch nichts. Du beschreibst das Problem so präzise, dass die Person denkt, du hättest ihr beim Denken zugeschaut.

Was du hier nicht tun solltest: den Preis oder den Bonus-Stack zeigen, bevor die Person sich im Problem wiedererkannt hat. Das wirkt wie ein Verkaufsgespräch, bevor sie überhaupt zugehört hat.

Stufe 3: Solution Aware, die Person sucht eine Lösung

Jetzt weiß die Person, dass es eine Lösung geben muss, kennt aber noch keinen konkreten Weg dahin. Hier funktionieren Vergleichsinhalte am besten. Bei mir läuft dafür das Webinar „Plötzlich Profitabel“. Es stellt keinen einzelnen Trick vor, sondern zeigt drei mögliche Wege, ein digitales Business aufzubauen, bevor es überhaupt in Richtung eines konkreten Angebots geht.

Der Fehler, den ich selbst früher gemacht habe: zu früh zu konkret werden. Wenn du in dieser Stufe direkt dein Produkt zeigst, wirkt das wie ein Verkaufsgespräch, bevor die Person überhaupt weiß, wonach sie sucht.

Was du hier nicht tun solltest: nur eine einzige Lösung präsentieren. Die Person merkt sofort, dass du nicht vergleichst, sondern verkaufst, und wird misstrauisch.

Stufe 4: Product Aware, die Person kennt dein Angebot

Hier hat die Person sich für einen Lösungsweg entschieden und schaut sich jetzt konkrete Anbieter an. Das ist der Moment für Beweise, nicht für neue Behauptungen. Auf meiner NoBrainer-Salespage stehen an dieser Stelle die echten Zahlen: 179 Käufer auf Digistore24, über 113.000 Euro aus einer einzigen Positionierung, mit Screenshots belegt.

Die Person will hier keine neue Idee mehr hören. Sie will wissen, ob du hältst, was du im Schritt davor versprochen hast.

Was du hier nicht tun solltest: mit neuen Behauptungen nachlegen, statt mit Beweisen. Wer in dieser Stufe noch mehr verspricht statt zu belegen, verliert genau die Person, die eigentlich schon fast entschieden war.

Stufe 5: Most Aware, die Person will nur noch von dir kaufen

Die kleinste, aber wertvollste Gruppe. Diese Menschen kennen dich schon, waren vielleicht schon auf deiner Seite oder in deiner Community, und brauchen nur noch den letzten Anstoß. Bei mir sind das die Leute, die nach dem Webinar direkt zum Angebot gehen, oder bestehende Käufer, die sich das nächste Stufenangebot ansehen. Hier reicht oft eine 14-Tage-Garantie und ein klarer Preis, mehr Überzeugungsarbeit brauchst du an dieser Stelle nicht mehr.

Was du hier nicht tun solltest: diese Menschen wie kalten Traffic behandeln und nochmal von vorne erklären. Das kostet Zeit, die die Person gar nicht mehr investieren will, sie will nur noch kaufen.

Wie du die Stufen für deinen eigenen Funnel nutzt

Der größte Hebel aus diesem Modell ist simpel: Ordne jedem Funnel-Baustein eine Stufe zu, statt an alle gleichzeitig zu reden.

  • Cold-Traffic-Anzeigen (Stufe 2): Problem benennen, keine Lösung verraten
  • Webinar (Stufe 3): Weg aufzeigen, ohne sofort zu verkaufen
  • Salespage (Stufe 4): Beweise liefern, Zweifel einzeln auflösen
  • Retargeting und E-Mail-Liste (Stufe 5): direkter Preis, direkte Garantie, direkter CTA

Wenn deine Anzeige an eine kalte Zielgruppe wie eine Stufe-5-Botschaft klingt, viel Preis, viel Dringlichkeit, wenig Erklärung, wunderst du dich nicht mehr, warum die CPA hoch bleibt. Die Person ist einfach noch nicht so weit.

Ein durchgerechnetes Beispiel aus meinem eigenen Konto: Meine NoBrainer-Kampagne lief lange mit gemischten Botschaften, mal Problem, mal direktes Ergebnis, in denselben Anzeigengruppen. Seit ich eine Anzeigengruppe konsequent auf Stufe 2 zugeschnitten habe, reines Problem-Aware, kein Preis, kein Bonus, lag der Cost-per-Result bei rund 22 Euro statt der zuvor deutlich höheren Werte über gemischte Botschaften hinweg. An einem einzelnen Tag Anfang Juli stand der Netto-ROAS auf dieser einen, sauber zugeschnittenen Anzeigengruppe bei 2,12, gerechnet auf den tatsächlichen Digistore24-Auszahlungsbetrag, nicht auf die Meta-Pixel-Zahl, die ohnehin systematisch niedriger meldet als real verkauft wird. Der Unterschied war nicht die Kreativität der Anzeige. Der Unterschied war, dass die Botschaft endlich zur Bewusstseinsstufe der Zielgruppe passte.

Was Eugene Schwartz mit dem Ganzen zu tun hat

Schwartz hat in „Breakthrough Advertising“ nicht nur die fünf Stufen beschrieben, er hat auch gezeigt, dass gute Werbung keine neuen Wünsche erschafft. Sie kanalisiert Wünsche, die längst da sind, nur eben in unterschiedlicher Intensität je nach Stufe. Für mich ist das bis heute der Unterschied zwischen Werbetexten, die sich wie Marketing anfühlen, und Texten, die sich wie ein Gespräch anfühlen, das genau zur richtigen Zeit kommt.

Das Modell ist über 60 Jahre alt und funktioniert 2026 genauso wie damals, aus einem einfachen Grund: Es beschreibt Menschen, keine Kanäle. Ob die Botschaft über eine Zeitungsanzeige, eine Meta-Ad oder einen KI-generierten Newsletter läuft, ändert nichts daran, in welcher Bewusstseinsstufe der Empfänger gerade steckt. Was sich geändert hat, ist die Geschwindigkeit, mit der Content produziert wird. Genau deshalb wird die Awareness-Stufe wichtiger, nicht unwichtiger. Wer mit KI in Minuten zehn Anzeigenvarianten baut, aber alle zehn an die falsche Stufe richtet, hat einfach zehnmal schneller danebengelegen.

Wenn du wissen willst, wie du deinen eigenen Cold-Traffic-Funnel Stufe für Stufe aufbaust, zeige ich dir das ausführlich im kostenlosen Webinar „Plötzlich Profitabel“.

Häufig gestellte Fragen zu Levels of Awareness

Was sind die 5 Levels of Awareness nach Eugene Schwartz?
Not Aware, Problem Aware, Solution Aware, Product Aware und Most Aware. Sie beschreiben, wie viel eine Person schon über ihr Problem, mögliche Lösungen und dein konkretes Angebot weiß, bevor sie mit deinem Marketing in Kontakt kommt.

Warum kauft mein Cold Traffic nicht, obwohl die Anzeige gut läuft?
Meistens, weil die Botschaft auf eine höhere Bewusstseinsstufe zielt, als die Zielgruppe tatsächlich hat. Eine Person in Stufe 2 braucht das Problem, keinen Preis.

Auf welcher Stufe sollte meine Meta-Ad ansetzen?
Bei kalter Zielgruppe fast immer Stufe 2, Problem Aware. Retargeting-Anzeigen dürfen deutlich weiter Richtung Stufe 4 oder 5 gehen.

Wie erkenne ich, in welcher Stufe meine Zielgruppe gerade ist?
An der Reaktion auf deinen Content. Wenn Problem-Content viele Kommentare bringt aber keine Klicks, ist die Zielgruppe noch in Stufe 2 oder 3. Wenn Produktvergleiche und Beweise ziehen, ist sie in Stufe 4.

Wie lange dauert es, jemanden von Problem Aware zu Most Aware zu bringen?
Das hängt vom Preis und von der Vertrauensdistanz ab. Bei einem 7-Euro-Angebot kann das innerhalb eines einzigen Funnels passieren, manchmal an einem Tag. Bei einem hochpreisigen Angebot dauert es oft Wochen, über mehrere Touchpoints wie Webinar, E-Mail-Liste und Retargeting hinweg.

Was ist der Unterschied zwischen Awareness-Stufen und Buyer-Personas?
Eine Buyer-Persona beschreibt, WER jemand ist, mit Merkmalen wie Alter, Beruf oder Zielen. Die Awareness-Stufe beschreibt, WO diese Person gerade im Kopf steht, unabhängig davon, wer sie ist. Dieselbe Persona kann heute in Stufe 2 sein und in drei Wochen in Stufe 4.

Written By Ralf Wenda

Über Ralf Wenda

Ich bin Ralf Wenda, ein leidenschaftlicher Onlinekursentwickler und Marketing-Dozent. Mit einem Hintergrund in Wirtschaftsinformatik und jahrelanger Erfahrung im Onlinemarketing, habe ich das MPS-System entwickelt, um dir zu helfen, dein Wissen in ein automatisiertes Einkommen zu verwandeln. Meine Mission ist es, dir die Werkzeuge und das Wissen zu geben, die du brauchst, um in der digitalen Welt erfolgreich zu sein. Lass uns gemeinsam deine Träume verwirklichen!

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